Wie kann der Unterricht didaktisch aufgebaut werden?

Was Sie hier erwartet:

Klicken Sie einen Teil an, gelangen Sie direkt dorthin.

Teil 1: Lernziele formulieren

Teil 2: Kompetenzen bestimmen

Teil 3: Handlungsorientiert brainstormen

Teil 4: Inhalte reduzieren

Teil 5: Fachlandkarte erstellen

Teil 6: Reiseroute festlegen

Teil 7: Drehbuch schreiben

Teil 8: Transferaufgabe formulieren

Teil 9: Feintuning: Lernbedürfnisse überprüfen

Teil 1: Lernziele formulieren

 

Wer losgeht, ohne das Ziel zu kennen, geht das Risiko ein, nicht ans Ziel zu gelangen...

Wir könnten auch unseren Kurs aufbauen und im Nachhinein bestimmen welche Lernziele damit verfolgt werden.

Das ist jedoch die Variante der Faulheit und weniger auf Qualität ausgerichtet.

Wir werden hier damit beginnen zu überlegen: was soll die Person in diesem Kurs lernen? 


Lernziele Teil 1: Die Expert*innen der HP+...

...können in ihren Kursen transparent Lernziele informieren.

...kennen die Zielformulierungsbausteine und können diese zur Zielformulierung anwenden.

...sind in der Lage Lernziele so zu formulieren, dass diese individualisiert adaptiert werden können.

Sie können Ihre Lernziele spitz formulieren nach den Ziel-Formulierungs-Bausteinen, die ich im Zuge der Unterstützung von Menschen mit Unterstützungsbedarf kreiert habe:

Bsp.1:

Wer macht Was Wie mit Wem Wann Weshalb (und wie lange)?

Die Kursteilnehmerin formuliert eigenständig Lernziele mit Hilfe der Ziel-Formulierungs-Bausteine für Ihren eigenen Kurs zu Beginn des Kursaufbaus.

Diese Art der Formulierung gibt uns viele Hinweise, die nützlich sein können zur Kursgestaltung. So weiß ich nun:

  • ich möchte das Thema zu Beginn vermitteln

  • die Methode der Ziel-Formulierungs-Bausteine soll vermittelt werden

  • das Niveau entspricht „eigenständig umsetzen können“ > es soll Anwendungswissen kreiert werden

  • es soll einen praktischen Nutzen haben, für den eigenen Kurs sein

 

Die zweite Variante ist eine offene Lernzielformulierung:

Bsp.2:

Worum geht es (Objekt)? Was wird gemacht (Verb)?

Lernziele formulieren

In dieser Variante komme ich schneller zu meinen Formulierungen, es fehlt jedoch der Schritt der Ableitung, was brauche ich dazu in meinem Kurs?

Ich persönlich nutze gerne Bsp.1 für die Kurserstellung und informiere Bsp.2 den Kursteilnehmer*innen, damit diese besser erfasst werden können (Einfachheit bietet eine klarere Übersicht). Methoden und Tools informiere ich teilweise ohne Verb, wie „Siebe der Reduktion“ statt "Inhalte reduzieren".

Transferaufgabe:

Nehmen Sie sich direkt die Zeit und formulieren Sie Ihre Lernziele.

Potentiell hilfreiche Fragen:

Was ist das Ziel des Kurses?

Welche Probleme möchte die Zielgruppe damit lösen?

Weshalb macht jemand den Kurs bei Ihnen?

Welche Inhalte sollen in jedem Fall vermittelt werden?

Wenn Sie sich unsicher bezüglich Ihrer Lernziele sind, teilen Sie diese in der Expert*innen Community über die Lernwelt oder die Wix App mit und schauen Sie nach, ob andere welche zur Verfügung gestellt haben. Sie können mir auch persönlich schreiben.

Meiner Ansicht nach hilft hier nur eines: Übung.

Wenn Sie Lernziele für Ihre kommenden drei Kurse formuliert haben, Feedback eingeholt, angepasst: dann wird es Ihnen sicher leicht von der Hand gehen. ;)

Ein Vorbehalt ist oft der zeitliche Faktor: eine gute Vorbereitung erspart Ihnen tatsächlich jede Menge Zeit!

Durch die Zielformulierung in der ausführlichen Variante, kann ich folgende Schritte abkürzen und bin sehr viel schneller in der Planung und Gestaltung des Drehbuchs, sowie der Transferaufgaben. Das werden Sie nun sicher selbst in den kommenden Schritten bemerken!

Teil 2: Kompetenzen bestimmen

Kompetenzen sind ein Zusammenspiel aus Wissen und Fertigkeiten (siehe Konzeption).

 

Bsp.:

Ich kenne den Kompetenzbegriff nach Erpenbeck (Fachkompetenz), ich kann diesen reflektieren und für mich als hilfreich erkennen (Personalkompetenz), kann diesen erklären und vermitteln (Sozialkompetenz) und folgernd Kompetenzen beschreiben und das Wissen anwenden (Aktivitäts- und Handlungskompetenz).

 
Kompetenz.jpg

Ein Lernziel zu formulieren, bildet ab, was ich vermitteln möchte:

 

  • Kompetenzbegriff kennen, anwenden und vermitteln können

Doch die einzelnen Kompetenzbereiche sind damit noch nicht geklärt.

Warum ist das aus meiner Sicht notwendig? Je nachdem, welche Kompetenz gefördert werden soll, brauche ich unterschiedliche Ansätze in der Lehre:

Möchte ich, dass Sie als Kursteilnehmer*in sich in der Personalkompetenz mit Lernzielen befassen, so ist es notwendig eine Diskussion anzustoßen, eine Reflexionsaufgabe einzubauen oder Fragen zu stellen, die mit Ihnen als Person zu tun haben.

Zum Beispiel:

„Wo sind Ihnen in Ihrer Laufbahn als Expert*in bereits Lernziele begegnet? Wie ging es Ihnen damit und was hat zu dieser Gefühlsregung beigetragen?“ Das kann insbesondere bei Themen interessant sein, hinter denen verdeckte Widerstände vermutet werden.

Möchte ich die Sozialkompetenz fördern, wird es wesentlich sein eine Interaktion anzustoßen, wie sich gegenseitig Feedback zu geben. Menschen, die Ihre Fachthemen vermitteln sind oft „Einzelkämpfer“ in der Rolle der „Wissenden“. Das erschwert es sich mit eigenen Unsicherheiten auseinanderzusetzen und diese mit anderen zu kommunizieren. In einem geschützten Forum mit Gleichgesinnten, haben Sie die Möglichkeit offen damit umzugehen – Fragen zu stellen, ohne Gefahr zu laufen Ihr Gesicht zu verlieren. Wir befinden uns im selben Boot und arbeiten gemeinsam daran unsere Lehre zu verbessern.

 

Diese Message kann die unsrige Sozialkompetenz fördern. Da es hier nicht um Fachkompetenz geht, macht es Sinn an der Stelle einen persönlichen Bezug zu schaffen, zum Beispiel ein Video einzusetzen und für die Nutzung eines Forums, sowie persönliche Nachrichten zu motivieren.

Soll hingegen die Fachkompetenz gefördert werden, so gebe ich einen fachlichen Impuls, mit Beispielen, Fakten und Quellen belegt (siehe Abb. oben (vgl. Erpenbeck 2019).

Ist mein Ziel die Aktivitäts- und Handlungskompetenz, so macht es Sinn die Lernzielformulierung direkt umsetzen und erproben zu lassen, um Erfahrungen zu bilden und die Umsetzung zu erleichtern. Learning by doing.

Und je nach Gewichtung wird ein Kompetenzbereich mehr Aufmerksamkeit erhalten, als ein anderer. Alle gleichermaßen in aller Ausführlichkeit zu bedenken führt ins Unendliche und blockiert uns in der Vorbereitung, statt uns zu helfen.

Daher:

1. Möchten Sie schneller vorankommen?

Dann gehen Sie Ihre formulierten Lernziele durch und beziffern Sie diese mit einem P, wenn Sie die Personalkompetenz im Vordergrund sehen, mit einem S, wenn Ihnen an der Stelle die Sozialkompetenz wichtiger ist, mit einem F, wenn es hier hauptsächlich um Wissensaneignung geht und mit einem A, wenn es Ihnen um Anwendung geht. Nehmen Sie pro Lernziel höchstens zwei Bezifferungen vor.

Sollten Ihnen dabei direkt Ideen für die Umsetzung in Ihrem Kurs kommen: notieren Sie sich diese entsprechend. Gehen Sie anschließend im nächsten Kapitel weiter.

2. Sind Sie interessiert daran tiefer in die Materie der Kompetenzen einzusteigen?

Googeln Sie „Kompetenzatlas nach Heyse und Erpenbeck“ in der Bildersuche. Speichern Sie sich das Bild möglichst groß ab, wenn Sie möchten, drucken Sie es sich aus.

Hier finden Sie eine differenziertere Übersicht der Kompetenzen. Wählen Sie aus allen Kompetenzbereichen die sieben wesentlichen aus, die Sie in Ihrem Kurs vermitteln möchten. Bereiche, die sehr ähnlich sind, können meist zusammengefasst werden. Nachdem Sie die sieben Kompetenzen gewählt haben, ordnen Sie jeweils drei dieser Kompetenzen einem Lernziel zu. Sie können, wenn Sie sich die Mühe machen möchten, je drei Kompetenzen zu Ihrem Lernziel formulieren.

 

Ein Beispiel:

Die Expert*innen formulieren eigenverantwortlich und ergebnisorientiert die Lernziele Ihres Kurses im Bewusstsein, dass in der Folge Zeit gespart und die Qualität erhöht wird.

 

Lern-Ergebnis:

Sie können nun Ihre Kursinhalte nach Außen kommunizieren. Stellen Sie Ihren Kursteilnehmenden den Inhalt anhand Ihrer Lernziele (auf der Infoseite in der Lernwelt) vor und zeigen Sie auf, welche Kompetenzen durch den Kurs erworben werden.

Behalten Sie dabei Ihre Zielgruppe im Blick. Welche Inhalte Ihrer Formulierungen sind für Sie wesentlich und welche für Ihre Zielgruppe relevant?

Macht Ihre Formulierung Lust darauf zu erfahren, was sich dahinter verbirgt?

Beispiel:

Im weiteren Verlauf des Kurses lernen Sie, wie Sie Ihr Brainstorming auf anschauliche Weise,

anhand einer von mir entwickelten Methode, handlungsorientiert gestalten können (F/A).

Des Weiteren lernen Sie die „Siebe der Reduktion“ nach Lehner kennen, die Sie nach dem Kurs eigenständig zur Reduktion Ihrer Inhalte anwenden können (F/A).

Kreative Beispiele und Anregungen helfen Ihnen dabei eine Fachlandkarte zu erstellen, die Sie dabei unterstützt eine ganzheitliche Übersicht zu schaffen, sich zu orientieren und anderen Inhalte, sowie Orientierung zur Verfügung zu stellen (S/A).

Motivierendes Lernen ist eine viel propagierte Haltung von mir (unter anderen ;)). Daher lernen Sie mit mir eine kreative Reiseroute festzulegen, die unterschiedliche Bedürfnisse abdeckt und einlädt Inhalte spannend zu verpacken (S/A).

Das Kernstück dieses Kurses ist das Drehbuch, das Ihnen Proviant gibt, um Ihren Kurs bestmöglich umzusetzen. Damit erlangen Sie Planungssicherheit und gleichzeitig Flexibilität. Denn wer eine differenzierte Reisekarte zur Hand hat, kann leicht einen kleinen Umweg einbauen (F/A).

Zu guter Letzt lernen Sie in unterschiedlichen Lernbereichen und Niveaus Ihre Transferaufgabe zu formulieren, anhand derer Ihre Kursteilnehmer*innen in Anwendung kommen und Anwendungswissen überprüfbar wird (S/A).

Teil 3: Handlungsorientiert brainstormen

 

Für gewöhnlich sahen meine Brainstormings so aus, dass ich (wie links im Bild) meine Ideen in Stichpunkten in der Notiz-App meines Smartphones gesammelt und im Anschluss zeitlich strukturiert habe.

Wenn ich mir besonders Mühe geben wollte, habe ich eine Baumstruktur genutzt (vgl. Mindmap). Was ist das Wesentliche (der Stamm), was sind die Hauptstränge (dicken Äste) und was die "Nice to haves" und Details (kleinen Äste)?

Mit der Entwicklung einer Weiterbildung zur Mentorin für Unterstützte Kommunikation, kam mir in den Sinn das Brainstorming handlungsorientiert vorzunehmen. Seither ist es meine Lieblingsmethode geworden, die ich hier mit Ihnen teilen möchte.

Das handlungsorientierte Brainstorming ist eine systematische und zielgerichtete Art und Weise Fachinhalte für Unterricht, Kurse und Seminare auszuwählen.

Kern der Fragestellung ist: was benötigt die lernende Person für ihr Anwendungswissen (was soll letztlich damit getan werden)?

Transferaufgabe:

  1. Beschreiben Sie zu Ihrem gewählten Thema einen möglichen Handlungsablauf.

  2. Was muss die Person können, um die einzelnen Schritte zu durchlaufen? Nehmen Sie Ihre beschriebenen Lernziele und Kompetenzen zur Hand: wo lassen sich diese einordnen? Was sollte ich zuerst wissen, was kann später kommen?

  3. Ergänzen Sie Ihre bisherigen Notizen, mit wesentlichen fachlichen Vertreter*innen, Methoden und Tools.

  4. Speichern Sie Ihre Notizen ab oder legen Sie diese bereit für die weitere Bearbeitung im nächsten Teil.

Teil 4: Inhalte reduzieren

Eine der häufigsten Fragen in Vorgesprächen mit euch Kolleg*innen lautete: "Wie soll ich die Inhalte, die bei mir den Umfang eines ganzen Studienfachs hatten, auf so wenig Unterrichts-Einheiten herunterbrechen?"

Das, was ich in dieser Einführung weitergebe ist der komprimierte Inhalt aus einem Studienfach von sieben Semestern... Auch wenn es vorerst undenkbar erscheint: es ist möglich!

Eine Methode, die ich sehr hilfreich finde, hat Lehner beschrieben, als die "Siebe der Reduktion".

 

Wie hier im Video dargestellt, wird der fachliche Inhalt so lange gesiebt, bis das für Heilpädagog*innen Wesentliche übrig bleibt. Wenn Sie zuvor ein handlungsorientiertes Brainstorming vorgenommen haben, haben Sie schon einen großen Teil des Fachwissens ausgesiebt: das, was nicht zwingend für die Handlung notwendig ist.

So habe ich mir erlaubt Inhalte aus der Didaktik heraus zu sieben, die eher verästelt mit dem konkreten Umsetzen der Unterrichtsvorbereitung zu tun haben. Es gibt Dutzende von kreativen und spannenden Methoden. Doch, wenn ich diese in der Fülle aufzählen würde, wären Sie zwar angereichert mit neuem Wissen, aber weit entfernt von der Umsetzung. 

Also erlaube ich mir eine Auswahl zu treffen und Ihnen das zu zeigen, was ich selbst gerne nutze, von dem ich überzeugt bin und das sowohl theoretisch, als auch praktisch fundiert erprobt wurde. Das bedeutet Entscheidungen zu treffen. Gegen andere Methoden.

Je nach Persönlichkeitsstruktur keine leichte Aufgabe.

Mit den "Sieben der Reduktion" nähern wir uns schrittweise der Auswahl unserer Inhalte.

Transferaufgabe:

Nehmen Sie Ihre Notizen zur Hand und sieben Sie Ihre Inhalte auf das Wesentliche entsprechend der vorgegebenen Unterrichtseinheiten. 

TIPP: Ich persönlich neige dazu, mehr Inhalte in zu wenig Zeit zu packen. Sicher kennen Sie Ihre eigenen Tendenzen und können diese mit berücksichtigen. Ich markiere mir meist aus den herausgesiebten Inhalten die Prioritäten. Im Unterricht passiert es mir so nicht, dass einzelne Inhalte weggelassen werden, die zentral wären. Gegen Ende komme ich auf vorherige Themen zurück, die in der Tiefe beleuchtet werden. Wenn dann doch mehr Zeit bleibt, als gedacht, greife ich auf das zurück, was im vorherigen Sieb hängen geblieben ist.

Wenn es Sie interessiert tiefer in das Thema Reduktion einzusteigen, finden Sie im folgenden Video einen Vortrag von Lehner, der auch mein Professor war.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Teil 5: Fachlandkarte erstellen

Eine Fachlandkarte ist eine visualisierte Aufbereitung eines Themenblocks.

Das kann sowohl die Fortführung des handlungsorientierten Brainstorming sein, als auch einer anderen Logik folgen.

 
Lernlandkarte.jpeg

Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte. 

 

Für Fachlandkarten, oder auch Lernlandkarten  genannt, trifft das zu 100% zu. Denn einen Themenkomplex als Landkarte zu gestalten, hilft nicht nur in der Vorbereitung der Inhalte.

Einerseits werden mir als Lehrender dabei klar, welche Inhalte miteinander in Verbindung stehen und es regt kreativ an. Zum Beispiel fallen mir damit der Aufbau leichter und ich entwickle Ideen für Visualisierungen und Storytelling.

 

Andererseits gibt es den Teilnehmern Struktur, Übersicht und Verständnis für ein Thema, dass sie noch nicht kennen. Fachliche Zusammenhänge werden zwischen den einzelnen Komponenten sichtbar und ergeben ein Gesamtbild.

 

Kreativität über die Landesgrenzen hinaus, sind erwünscht und beliebt.

Ziel ist es Zusammenhänge und Beziehungen theoretischer Themenkomplexe visualisieren und darstellen.

Transferaufgabe:

Mit Hilfe Ihrer Notizen und Ihres Brainstormings können Sie für den Themeneinstieg eine Fachlandkarte gestalten.

In der Lernwelt kann diese als Bild (auch zum Herunterladen) eingefügt werden. Am besten wird darunter eine Audioaufnahme verwendet, um die Inhalte zu erklären. Gerade ganz zu Beginn, um einen Überblick zum gesamten Fachgebiet zu machen, kann eine Fachlandkarte sehr unterstützend sein.

Auch von uns selbst wissen wir, wie hilfreich es ist einen groben Überblick zu haben, der dann mit einzelnen Inhalten aufgefüllt werden kann. Wenn Sie also verantwortlich für ein Themengebiet sind, wie Soziologie, Psychiatrie, Medizin etc., kann das Vorgehen sehr sinnvoll sein.

Teil 6: Reiseroute festlegen

Eine Lernreise braucht eine abwechslungsreiche Reiseroute, die unser neuronales Netzwerk begrüßt.

Wir lieben zum Beispiel Klarheit, positive Emotionen, etc.

Eine Handreichung, die ich mir mal gestaltet habe und immer wieder sehr gerne zur Hand nehme, teile ich hier gerne mit Ihnen:

 
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Vor Antritt der Reise gilt es die Reiselust zu wecken:

 - wohin führt mich das Ganze, wie attraktiv ist das Ziel?

An Bekanntem anknüpfen zu können, hilft uns Erinnerungen zu reaktivieren und Neues nachhaltig zu integrieren. Daher denken wir zurück an das, was bereits an Erfahrungen vorhanden ist.

Um die Reise genießen zu können ist neben der Atmosphäre (Gestaltung, Persönlichkeit) von Bedeutung die Sinne anzuregen.

In der Präsenz, wie Online gilt: Abwechslung. Mal lesen, mal hören, mal schauen, mal etwas umsetzen...

Interaktion ist ganz zentral. Jede positive Emotion hilft das Gelernte in den Speicher zu bringen. Im Miteinander, im Austausch mit anderen finden wir, wie Horngacher, ein großartiger Neuroforscher sagt, "Dopaminduschen".

Daher bin ich Fan davon Online Lehre immer mit Präsenz oder zumindest Live-Learnings, wie Webinaren zu kombinieren. Der soziale Faktor kann natürlich auch online unterstützt werden, indem eine Community oder ein Forum genutzt wird, die Fachschüler*innen dazu aufgefordert werden Profilfotos zu verwenden, sich mitzuteilen, Fragen zu stellen, ihre Transferaufgaben zu zeigen, sich gegenseitig Feedback zu geben...

Um das Erlebte zu verankern, benötigt es Pausen. Die Dendriten benötigen Zeit zu wachsen... Mehr dazu

Und zu guter Letzt: 

"Erzähle mir und ich vergesse. Zeige mir und ich erinnere. Lass es mich tun und ich kann." Konfuzius

Mein persönliches Ziel ist es Anwendungswissen zu kreieren. Dazu brauchen wir die Praxis, weshalb ich stets mit Transferaufgaben arbeite.

Je nach zu vor gestellter Zielrichtung und dem Kompetenzbereich wird die Reise verschiedene Stationen aufweisen.

 

Teil 7: Drehbuch schreiben

Mit den bisherigen Vorarbeiten in Petto ist es ein Leichtes einen genial-guten Unterricht zu planen und umzusetzen!

Anhand der Reiseroute können die Fachinhalte, die aus dem handlungsorientierten Brainstorming und/ oder der Fachlandkarte kommen zeitlich angeordnet werden. Dank der Siebe der Reduktion wird die Themenauswahl erleichtert und der zeitliche Umfang zugeteilt. Die Ziele und Kompetenzbereiche werden zugeordnet. Aus diesen ergibt sich die gewählte Methode (sozial, Input, Outcome,...?) und das gewählte Medium (Text, Video, Präsentation, Quiz, Aufgabe,...?).

Neben der Reiseroute kann beachtet werden das Einatmen und Aufnehmen der vielen Eindrücke mit einem Ausatmen, einer Aktivität, einem Outcome abzuwechseln. Der Wechsel von An- und Entspannung hilft uns wach dabei zu bleiben und Fachwissen langfristig zu integrieren, um Anwendungswissen zu kreieren. 

Mögliche Drehbuch-Vorlage:

Beispiel Drehbuch.png

Beispiel Umsetzung (im Schnelldurchlauf):

Selbstverständlich kann die Ausführlichkeit der Vorbereitung variieren. Was ich auch bei Zeitknappheit nutze, ist das Drehbuch, wenn es nur kurz vorher skizziert wird. Meiner Erfahrung nach wird das Umsetzen mit mehrmaliger Anwendung schneller und die Qualität des Unterrichts steigt mit der Ausführlichkeit der Vorbereitung.

Nach den ersten Erfahrungen und Feedbacks gehe ich nochmals über die Planung, passe etwas an - und meistens steht dann das Thema. Das heißt die einmalige Vorbereitung ist zeitintensiv. Doch daraufhin habe ich ein wirklich gutes Gerüst, das mir über Jahre hilft, mir keiner mehr nehmen kann und das dazu führt, das langfristig die Vorbereitungszeit auf ein ganz geringes Maß schrumpft.

Natürlich verändert sich mal etwas, ändere ich Beispiele, Methoden, probiere etwas aus - doch der Aufwand ist dank der Vorarbeit kaum nennenswert.

Transferaufgabe:

Sie ahnen es schon? Bringen Sie Ihren ersten Unterrichtsblock in die konkrete Planung.

Bereiten Sie das Drehbuch so vor, dass Sie am Ende genau wissen, was zur Umsetzung noch notwendig ist (eine Power Point Präsentation, ein Flipchartbild, ein Kurzvideo, ...). Für den Präsenz-Unterricht notiere ich mir in der letzten Spalte, welche Materialien ich dafür brauche (Laptop, Kamera, Stifte, Klebeband, etc.), um am Tag des Unterrichts mit einem schnellen Blick alles notwendige erfassen zu können.

Daraufhin planen Sie direkt in Ihrem Kalender ein, wann Sie was umsetzen. 

Ganz grob überschlagen dauert meine (erste) Vorplanung etwa doppelt so lange, wie die eigentliche Unterrichtseinheit.

Wenn Sie noch nie eine Videoaufnahme von sich gemacht haben, wird es Sinn machen etwas mehr Zeit dafür einzuplanen...

 

Teil 8: Transferaufgaben formulieren

Für das vielpropagierte Anwendungswissen benötigt es Transferaufgaben.

Je nach Inhalt, Struktur, Lernziel und zu entwickelnde Kompetenz, wird die Transferaufgabe gestellt. Hierbei kann wieder das handlungsorientierte Brainstorming hilfreich sein.

Was muss die lernende Person nachher damit machen können? 

Beispiel: Heilpädagog*innen erkennen (P) Symptome von ADHS, Autismus (F) und können diese voneinander abgrenzen (A).

Einerseits ist eine wertfreie Beobachtung notwendig, das Wiedergeben der Symptome und andererseits die Fähigkeit zu vernetzen und anzuwenden.

Von Hand schreiben

Hilfreich für die Formulierung der Transferaufgaben ist die Taxonomie nach Fink (siehe Konzeption).

taxonomie fink.jpg

Zur Beobachtung wird an anderer Stelle die Personalkompetenz gestärkt zum Inhalt der Wahrnehmung und Wahrnehmungsfehler. Passende Transferaufgaben wären eine Beobachtung im Feld (Application), die Verschriftlichung, das Feedback anderer und Feedback zu den Arbeiten anderer (Integration & Human Dimension), eine kritische Selbstreflexion (Application & Caring), sowie das Einüben an Videobeispielen aus der Praxis (Integration).

Somit kann im Inhalt "ADHS, Autismus" das Thema der Beobachtung vernachlässigt werden.

Interessant ist das erkennen und wiedergeben der Symptome (F/ Foundational Knowledge). Eine gute Idee wären hier Wissensfragen, Lernkarten, Übungsbeispiele mit Videos...

Um zu zeigen, dass die Symptome voneinander abgegrenzt werden können, (A) wären Praxisbeispiele, die korrekt eingeordnet werden müssen hilfreich. 

Die Fragestellung lautet daher: Wie kann ich die Kompetenz sichtbar machen?

Die Transferaufgabe: "Beobachten Sie Personen in Ihrem Arbeitsumfeld: Welche Symptome, die ADHS und Autismus zugeordnet werden, fallen Ihnen hier auf?" - ist wenig nützlich. 

Als Lehrende kann ich so nicht überprüfen, ob die Kompetenz wirklich vorhanden ist.

Ein Beispiel aus meiner Tätigkeit (Weiterbildung zur Mentor*in für Unterstützte Kommunikation (UK):

Bsp Transferaufgaben.png

Ganz links sehen Sie die drei Komponenten "Sachinhalt", "Verhalten", "Situation", die ich in der Kompetenzbeschreibung im ersten Kästchen berücksichtige. Daneben steht der Kompetenzbereich (siehe KODE), die Zuordnung zur Taxonomie und ganz rechts die Prüfbarkeit. Sie sehen anhand der gewählten Aufgaben, wie die Kompetenzbereiche berücksichtigt wurden.

Transferaufgabe:

Sind die eingangs von Ihnen erstellten Lernziele und Kompetenzen alle in Ihrem Drehbuch verankert?

Wählen Sie hierzu passende Transferaufgaben, die überprüfbar und für Sie als Lehrende messbar sind. Die Transferaufgaben können Teil der Unterrichtseinheiten sein (Wissenstest, schriftliche Reflexionsaufgabe), Teil der Präsenzlehre (Gruppenarbeit, Referat,...) oder Teil der Praxis (Anwendungsaufgabe, schriftliche Aufgabe,...).

Bei Unsicherheiten biete ich gerne ein Feedback zu Ihrer Unterrichtsplanung an.

Teil 9: Feintuning

Jeder Mensch bringt aufgrund der individuellen Persönlichkeitsstruktur andere Bedürfnisse mit, die wir im Lernen berücksichtigen können. Dieser Teil geht etwas mehr in die Tiefe und wird in einem Video mit Präsentation aufgearbeitet.

Sie werden per Mail darüber informiert, wenn der Teil fertiggestellt wurde.