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Wenn einer alleine träumt, ist es nur ein Traum. Wenn viele gemeinsam träumen, ist das der Anfang einer neuen Wirklichkeit!                                                                Friedensreich Hundertwasser

Heilpädagogik und Digitalisierung



Heilpädagogik digital, Alicia Sailer

„Computer?! Die nerven und stressen alle echt nur. Sie halten uns vom Arbeiten ab! Die Digitalisierung hat mit Heilpädagogik nichts zu tun!“


Diese Aussage könnte von Ihnen sein? Damit stehen Sie nicht alleine, denn die meisten HeilpädagogInnen reagieren genau so. Das hat vielfältige Gründe, doch weshalb sollten wir uns diese genauer anschauen?


Wir leben als Teil der Gesellschaft in einer Zeit, in der sich vieles verändert und sich Gesellschaft weiterentwickelt. Zunehmend wird deutlicher, dass das, was standardisiert und automatisiert werden kann, durch digitale Technologien ersetzt wird. Hohe Auswirkungen hat das vor allem in der Industrie, in der Wirtschaft. In der Sozialwirtschaft spürt man noch nicht so viel davon.


Pädagogische Fachkräfte möchten nah am Menschen sein, ihn verstehen, bevor Angebote gemacht werden und den Menschen genau dort abholen wo er steht.


Mögliche Probleme im Zusammenhang mit der Digitalisierung:

Pädagogische Fachkräfte verstehen die digitalen Sozialräume und Welten nicht, wodurch sie Menschen entsagen sie dort abzuholen und zu begleiten in dieser.

Oder es wird nicht erkannt wie wichtig es ist die Teilhabe auch in der digitalen Lebenswelt zu ermöglichen.


Verstehen Sie mich bitte nicht falsch, wir brauchen keine durch und durch digitalisierte Welt – doch wir brauchen eine Wahrnehmung für die analoge UND die digitale Situation. Wir müssen uns sensibilisieren für die Bedürfnisse der Menschen, die sich in erschwerenden Bedingungen befinden und Angebote da machen, wo sie sich befinden – wenn wir unserer Aussage am Anfang gerecht werden wollen.


Es ist notwendig hinzuschauen. Nun möchte ich Ihnen nicht vorwerfen, dass Sie sich vielleicht noch nicht in der Tiefe damit beschäftigt haben. Ich möchte Sie nur auf die Notwendigkeit hinweisen und einladen mir in der Richtung weiter zu folgen.


Eine hohe Gefahr, dass wir pädagogischen Fachkräfte kein Wissen dazu haben, besteht darin unsere KlientInnen nicht mehr zu verstehen, aber auch darin, dass nicht wir diejenigen sein werden, die digitalisierte Angebote machen werden. Dienstleistungen orientieren sich am Bedarf. Entsteht eine Lücke, wird sie geschlossen. In dem Fall vermutlich eher von fachfremden Menschen, Programmierern und Firmen, die wirtschaftliche Interessen haben. Das könnte, muss aber nicht, Auswirkungen auf die Qualität des Angebots haben.


Wie Kreidenweis (vgl. 2018) ausführt, der sich intensiv mit Digitalisierung und sozialen Dienstleistungen auseinandersetzt, haben Uber keine eigenen Taxis und AirBnB keine eigenen Hotels. Beide kommen nicht aus der jeweiligen Branche und doch haben diese Firmen ein Monopol im digitalen Markt.


Ich möchte Ihnen damit keine Ängste machen, dass Ihr Job gefährdet sein könnte. Dafür, davon bin ich überzeugt, sind HeilpädagogInnen zu sehr nicht standardisiert und automatisiert, sondern im Gegenteil, individualisiert und hoch flexibel. HeilpädagogInnen sind EntscheiderInnen, die gebraucht werden in ihrer Expertise. Und davon bin ich ebenso überzeugt: sie werden in beiden Welten benötigt. Der analogen und der digitalen.


Interessiert es Sie, was dazu führt, dass pädagogische Fachkräfte sich mit der Digitalisierung eher untergeordnet auseinandersetzen?


Pädagogische Fachkräfte befinden sich, je nach Arbeitsfeld mehr oder weniger in der Situation, dass zunehmend indirekte Tätigkeiten ausgeführt werden müssen. Dokumentation ist das große Stichwort. Da die Fachkräfte einerseits den Anspruch an sich selbst haben trotz zusätzlicher Tätigkeiten genau die gleiche Leistung zu erbringen, wie zuvor und auch zu knapp bemessenen Ressourcen in der Vor- und Nachbereitung haben, kann das permanente Gefühl entstehen der Arbeit nicht gerecht werden zu können. Die Fachkräfte wissen was sie noch tun könnten, können aber nicht danach handeln. Eine Diskrepanz entsteht zwischen dem Denken, Fühlen und Handeln, was sich in Stresserleben äußert.


Hinzu kommen häufig negative Erfahrungen mit Technik. Viele Arbeitsplätze halten keine optimalen Bedingungen und Zugänge zur Nutzung von digitalen Medien vor. „Dann funktioniert die Technik WIEDER nicht, und alles geht von meiner Zeit ab.“, sagte eine KollegIn. Kommt Ihnen das bekannt vor? Im Einsatz sind oft weniger intuitive Programme zu finden, eher komplexe, die beschwerlich erlernt werden müssen. Nun werden diese Erfahrungen mit der Dokumentation, den fehlenden Ressourcen und technischen Schwierigkeiten mit der Digitalisierung verknüpft.


Fragen Sie sich gerade, was sonst damit verknüpft werden sollte? Die Digitalisierung ist in unserem hier besprochenen Kontext, keine technische Frage, vielmehr eine kulturelle. Aber lassen Sie uns dort später nochmal ansetzen.


Wir haben also erschwerende Bedingungen für Fachkräfte, die Stresserleben auslösen und gleichzeitig das Nicht-Erkennen der Sinnhaftigkeit. Ihre Arbeit hat bisher auch ohne digitale Lösungen wunderbar funktioniert. Weshalb sollten Sie etwas ändern? Vermutlich kennen Sie wenige Organisationen, Projekte oder Menschen, die Ihnen als Modell oder Vorbild in dieser Sache dienen können. Entsprechende Bildungsangebote und Erfahrungen fehlen meist.


Belastungsmodell: Digitalisierung in der Heilpädagogik, Alicia Sailer

Ein weiterer gravierender Umstand ist, dass digitale Technologien und die Nutzung dieser im beruflichen Kontext an unserer Berufsidentität nagen. Denn wir pädagogischen Fachkräfte haben uns intensiv mit unserem Berufsbild auseinandergesetzt, identifizieren uns damit und lassen uns auch nicht so schnell erzählen, dass daran zu rütteln wäre.


„Ich arbeite mit Menschen, nicht mit Computern“, drückten es Wächter und Pölzl (vgl. 2019) beispielhaft aus. Genauso habe ich es von vielen KollegInnen gehört. Hätte das auch aus Ihrem Mund kommen können?

Unsere Berufsidentität sagt „Mensch“. Ich bin „Mensch“ – „Technik“ das sind die anderen. Du bist vielleicht „Technik“ – ich nicht… Es handelt sich um eine Wertvorstellung, ein verankerter Glaubenssatz, der zu einer Berufsnorm geworden ist und sich auf jegliches berufliche Handeln auswirkt.


Dann kommt jemand von außen. Jemand, wie ich, die Ihnen erzählt: „Digitalisierung hat etwas mit uns zu tun. Wir brauchen Inhalte zur Digitalkompetenz in unseren Ausbildungen und in Studiengängen. Inhalte, die darüber hinausgehen, dass es Kinderschutzprogramme zur Internetnutzung gibt. Wir müssen verstehen, bevor wir Angebote machen.“ Puh. Haben wir nicht wichtigeres zu lernen? Plötzlich heißt es HeilpädagogInnen sollen Mensch und Technik irgendwie unter einen Hut bringen. Das Weltbild sagt „falsch“. Und dadurch entsteht nicht selten eine Aversion. „Das will ich nicht, das mach ich nicht mit!“


Wenn wir pädagogischen Fachkräfte wenig Wissen über einen Sachverhalt haben und das Gefühl aufkommt diese Entwicklung nicht kontrollieren zu können, entsteht in der logischen Konsequenz Angst. Oder Sorgen. Es ist zu vieles unklar. Man weiß nicht wie es sich entwickeln, wo es hinführen wird. Es braucht eine Strategie damit umzugehen. Vielleicht ausblenden und sich auf die eigene Tätigkeit, das heutige Tun konzentrieren. Vielleicht in den Widerstand gehen, mit der ChefIn diskutieren, die KollegInnen informieren, sich dagegen zur Wehr zu setzen. Oder davor zu fliehen. Vielleicht sogar in ein anderes Arbeitsfeld. „Wenn DAS kommt, dann bin ich weg!“



Norm-Aktivitäts-Modell: Digitalisierung und Heilpädagogik, Alicia Sailer

Hunecke (vgl. 2001) hat im Kontext von Umweltbewusstsein das Norm-Aktivitätsmodell beschrieben, das hier auf die Heilpädagogik im Kontext der Digitalisierung übertragen wurde. Wie in der Abbildung zu sehen steht zwischen der Norm und dem Handeln der Aufwand und Kostenfaktor. Dieser enthält eine beträchtliche Liste. Es handelt sich nicht um ein Steinchen im Weg, eher um einen Berg.


Um einen Berg besteigen zu können, braucht es Motivation, ein Wollen. Und wie Moor (vgl. 1974) es ausdrückt: „man muss Können um zu Wollen“. Die Sinnhaftigkeit muss geklärt sein, ein attraktives Ziel in Aussicht stehen und die entsprechenden Ressourcen im Rucksack bereit stehen.


Wer könnte dieses besser bieten, als eine Fortbildung, eine Ausbildung oder ein Studium? Das sind die Stellen die uns mit dem notwendigen Wissen versorgen, damit wir können und wollen können.


Bildung reagiert jedoch auf den Bedarf der Praxis. Zumindest ist das eine Idee, wie Inhalte zustande kommen können. Wird in der Praxis kein Bedarf erkannt, wird keiner zurückgemeldet, reagiert Bildung nicht darauf. Möglicherweise…



Gesellschaftliche Entwicklung: Digitalisierung und Heilpädagogik, Alicia Sailer

In der Abbildung sehen Sie wie die unterschiedlichen Systeme, die hier eine Rolle spielen, miteinander korrelieren, in Wechselwirkung zueinander stehen.



Weiter oben ist darauf hingewiesen worden, dass es sich in der Digitalisierungsfrage um eine kulturelle Frage handelt: Welche Kulturtechniken stehen uns zur Verfügung und welche nutzen wir?

Es handelt sich auch um eine ethische Frage: Wie möchten wir zum Beispiel Künstliche Intelligenzen (KI) einsetzen und wo macht es warum Sinn dieses nicht zu tun? Es steht uns eine Entscheidungsfrage bevor: welche Prozesse möchten wir digitalisieren und welche nicht? Wie können Technologien uns darin unterstützen die knapp bemessenen Ressourcen voll und ganz für den Menschen gewinnbringend einzusetzen? Wie können wir Technologien nutzen, um uns zu vernetzen, unsere Lobby zu stärken und uns gegenseitig in Fragen und Anliegen zu unterstützen? Welche ganz neuen sozialen Geschäftsmodelle, die radikal von den KundInnen her denken, können wir uns vorstellen? Was sind Probleme, Bedarfe im Kontext der Digitalisierung, die wir HeilpädagogInnen am besten lösen können? Wo wird unsere Expertise benötigt?


Möchten Sie, dass andere diese Entscheidungen für Sie treffen, oder möchten Sie mitsprechen und mitgestalten können?


Die Innovation HP+ hat sich dafür entschieden mitzugestalten und nicht darauf zu warten, dass andere es tun werden.


Was denken Sie, klingt das zu pathetisch? In der logischen Schlussfolgerung vorheriger Ausführungen benötigt es eine Stelle, die Wissen vermittelt, an Menschen, die wiederum ihr Wissen weitergeben.


Ziel ist es, auf absehbare und mögliche Entwicklungen vorzubereiten. Neben der Digitalisierung sind daher Kultursensibilität und ökologisches Bewusstsein aktuell weitere Schwerpunkte.


Die Fachschule nennt sich Innovation HP+. Sie finden das klingt wie ein hippes Startup? Vielleicht wird die Fachschule welche hervorbringen. Denn sie fördert innovatives Denken und unterstützt FachschülerInnen darin in Projekten neue Ideen auszuprobieren und unter anderem Modellbilder für das Sozialwesen zu schaffen. Langfristig und nachhaltig soll ein Bildungsangebot geschaffen werden, das sich dadurch auszeichnet voraus zu schauen. Demzufolge die Innovation im Titel. Das Plus in der Heilpädagogik entstammt dem Begriff der „Ermöglichungsdidaktik Plus“ von Arnold (vgl. 2012), der damit die Bedeutung des individualisierten und selbstgesteuerten Lernens hervorhebt. Diesen Ansatz verfolgt die HP+.


Sind Sie auch gespannt darauf, was sich aus diesem Abenteuer entwickeln wird?

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Besten Dank, dass Sie so offen waren und dem Artikel bis zum Ende gefolgt sind! Vielleicht hören oder sehen wir ja mal voneinander. Bis dahin, alles Gute Ihnen für die kommenden Veränderungen!




Veränderung ist immer schwierig - aber auch immer eine Chance! Haben Sie Lust bekommen intensiver ins Thema einzusteigen? Dann ist das Interview mit Bettiner Wächter und Alois Pölzl genau richtig (PÄDcast #5 veröffentlicht am 1.März 2019): bei Spotify

bei Apple

bei Google


Mehr dazu:


Radiointerview mit dem Handwerker Radio


Teil der Studienergebnisse bei YouTube


Literatur:

Arnold, Rolf (2012): Wie man lehrt, ohne zu belehren. Das LENA-Modell. Heidelberg: Carl-Auer Verlag.


Hunecke, Marcel; Blöbaum, Anke; Matthies, Ellen; Höger, Rainer (2001): The normactivation theory [online] https://www.researchgate.net/profile/Anke_Bloebaum/publication/258132521_Responsibility_a nd_Environment_Ecological_Norm_Orientation_and_External_Factors_in_the_Domain_of_Tr avel_Mode_Choice_Behavior/links/562f6c3f08ae4742240ace95/Responsibility-andEnvironment-Ecological-Norm-Orientation-and-External-Factors-in-the-Domain-of-TravelMode-Choice-Behavior.pdf [26.07.2019].


Kreidenweis, Helmut (Hrsg.) (2018): Sozialwirtschaft im digitalen Wandel. In: Digitaler Wandel in der Sozialwirtschaft. Grundlagen – Strategien – Praxis. Baden-Baden: Nomos Verlag. S. 11 – 27.

Moor, Paul (1974): Heilpädagogik. Ein pädagogisches Lehrbuch. Bern, Stuttgart, Wien: Hogrefe AG.


Pölzl, Alois/ Wächter, Bettina (2019): Digitale (R)Evolution in Sozialen Unternehmen. Praxis-Kompass für Sozialmanagement und Soziale Arbeit. Regensburg: Walhalla Verlag.



Weiterführende Literatur Tipps:

Digitale (R)Evolution, Pölzl/ Wächter

Digitaler Wandel in der Sozialwirtschaft, Kreidenweis und KollegInnen

Gestaltung des Sozialwesens im Zeitalter von Digitalisierung, Hagemann und KollegInnen


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